Journalismus
Wie eine Zeitschrift entsteht
Nach Redaktionsschluss des Heftes wird es erst mal richtig hektisch. Dann zählt jede Minute. Die Daten müssen vom Verlag pünktlich nach dem vorhandenen Terminplan an die Druckerei übergeben werden, da sonst im Extremfall der Erstverkaufstag gefährdet ist.
Nachdem die Druckdaten per FTP-Zugang (FTP = File Transfer Protocol) vom Verlag zur Druckerei übertragen wurden, werden die Daten von den Mitarbeitern der Druckvorstufe (PrePress) auf die korrekten Einstellungen wie zum Beispiel Format, Farbprofil, Seitenanschnitt und Auflösung überprüft. Dabei arbeiten die PrePress-Mitarbeiter vor allem mit der Software QuarkXpress, PageMaker, Photoshop und Freehand. Die Seiten werden dann als PDF-Dokument an die Abteilung CtP (Computer to Plate) übergeben, wo sie für den Druckformaufbau nach einem Ausschussschema aufbereitet werden. Als Ausschießen bezeichnet man hierbei das Anordnen der einzelnen Seiten eines Druckbogens bei der Druckformherstellung, so dass nach dem Drucken und Falzen die Seiten fortlaufend in richtiger Reihenfolge hintereinanderstehen.
Anschließend wird ein Plot-Ausdruck erstellt. Dies ist ein ausgeschossenes, gefalztes und aufgeschnittenes Spiegelbild des Druckobjekts. Mithilfe des Plots wird beispielsweise überprüft, ob die Seiten in der richtigen Reihenfolge stehen, ob Textblöcke vollständig sind oder ob der Beschnitt der Seiten stimmt. Wenn der Verlag den Plot freigibt, können die Druckplatten erstellt werden. Während beispielsweise die Umschlagseiten der Zeitschrift “Technology Review“ aus dem hannoverschen Heise Zeitschriften Verlag auf einer Bogendruckmaschine gedruckt werden, läuft der Druck des Inhaltspapiers über einen Rollendruckmaschine.
Die riesigen Papierrollen wiegen rund eine Tonne, und die Druckmaschine des Druckhauses Dierichs in Kassel, bei der die “Technology Review“ gedruckt wird, schafft bis zu 60.000 Druckbogen in einer Stunde. Nach dem Druck werden die Inhaltsbogen zusammengetragen, gepresst, am Rücken abgefräst und die Seiten werden geleimt. Dann wird der Umschlag mit einer so genannten Hotmelt-Klebebindung um den Inhalt gelegt. Das gebundene Heft läuft abschließend durch den Dreischneider und wird auf das Endformat beschnitten.
Zum Schluss erfolgt die Beilagenbelegung. Für jede Beilage gibt es eine Beilagenstation. Das Heft wird an unbestimmter Stelle aufgestochen und die Beilage maschinell beigefügt. Die Hefte werden dann verschränkt abgesetzt und eingeschweißt. Die Aboauflage wird allerdings nicht eingeschweißt, sondern erhält noch eine Cheshire-Beanschriftung. Hierbei werden die Etiketten mit den Anschriften der Abonnenten maschinell auf die Zeitschriften aufgespendet.
Nachdem die Zeitschriften in Bunden eingeschweißt und umreift worden sind, werden diese auf Paletten gesammelt. Für die Paletten gibt es eine Palettenpacknorm, damit sie nicht zu hoch oder zu schwer werden. Ist die komplette Auflage nach der Versandanweisung bestückt und fertig gestellt, folgt nun der letzte Teil: Die Paletten werden auf LKW oder in Transporter verladen und gehen auf die Reise. Das Ziel kann ganz unterschiedlich sein, zum Beispiel die Abonnenten oder die Grossisten für die Weiterverteilung der Handelsexemplare. Währenddessen laufen die Vorbereitungen für die nächste Ausgabe schon wieder auf Hochtouren.
Dominik Lapp

